jazz-transfer 2004: das Programm
"Jazz-transfer" widmet sich dem zeitgenössischen Jazz von Standard bis Avantgarde und wird mit aktiver Beteiligung vieler Kooperationspartner realisiert. Bei ersten Festival 2004 traten 22 Jazzgruppen, die sowohl die regionale als auch die junge deutsche und europäische Szene repräsentieren, in 16 Konzerten an verschiedenen Spielorten auf. Mit Enrico Pieranunzi, Kenny Wheeler, Joo Kraus, Wolfgang Lackerschmid und Gunter Hampel kamen dabei große Namen des Jazz nach Saarbrücken. Teil des Jazz-Festes war ein Austauschprogramm, das saarländische Formationen nach Straßburg Basel führte; zusätzlich zu den Konzerten fand ein Workshop mit Kindern statt.Die Einstimmung auf das Jazz-Fest gab's im WestSide in Saarbrücken-Burbach und in Straßburg. Am Mittwoch 3.11. spielte der Hot Club de Sarre im WestSide bei "Jazz after Work", der Konzertreihe bei freiem Eintritt im E-Werk auf den Saarterrassen. Das undertone project des saarländischen Posaunisten Christof Thewes trat am 5.11. auf der Eröffnung des Straßburger Festivals "Jazz d'Or" im Club Le Maillon-Wacken bei einer soirée franco-allemande auf. Der Eröffnungsabend von jazz-transfer am Sonntag 7.11. fand als Ko-Produktion mit "Jazz d'Or" im Rathausfestsaal statt und war mit dem undertone project und dem französischen Trio Couturier-Larché-Matiniery dem innovativen Jazz gewidmet.
Mittwochs gab's im WestSide bei freiem Eintritt Jazz after Work mit dem Frank Spaniol Quartett, dem Martin Auer Quintett und dem Schmidt/Brandt Quintett. In Kooperation mit dem "Malzeit" traten das Peter Ehwald Trio, das Jörg Kaufmann Trio und die "Schubert Impressions for Jazz Quintett" mit Dick de Graaf am Saxophon und Daniel Pezzotti am Cello im Kulturbistro Malzeit freitags in der Scheidter Straße auf. Vier Konzerte mit internationaler Beteiligung fanden in der Bel Étage statt. Das Konzert von Gebhard Ullmann's Quintett Basement Research wurde von SWR 2 aufgezeichnet. Italien war mit Enrico Pieranunzi sowie dem Palo Alto Quartett vertreten, aus Frankreich kam das Moutin Réunion Quartett. Für New Orleans Beats sorgten HammondEx aus dem Saarland und das Adrian Mears Quintett.
Da Karl Berger absagen musste, spielte in der Hochschule für Musik in einem Doppel-Vibraphon-Konzert mit dem Pascal Schumacher Quartett aus Luxemburg Wolfgang Lackerschmid mit seinen beiden Begleitern Stephan Holstein und Thomas Stabenow. Die Gunter Hampel Music and Dance Company zeigte ihre Jazz- und Tanzimprovisationen zusammen mit den "cosmic grooves" von Jo Bartmes aus Heidelberg in der Garage. Gunter Hampel war vier Tage in Saarbrücken und gestaltete den Workshop "Vom Spiel zur Improvisation" an der Ganztagsgrundschule Rastpfuhl mit seiner Company einschließlich eines Abschlusskonzertes mit den Kindern. Philipp van Endert spielte mit Kenny Wheeler im Rathausfestsaal. Kulinarischer Höhepunkt war das kreolische Menu beim Jazz Dinner im Gourmet-Bistro Seimetz mit dem Frankfurt Jazz Trio. Das Abschlusskonzert von jazz-transfer, ein Benefizkonzert für das Afrikaprojekt Dr. Schales, brachte zwei Gruppen in die Garage: das Trio Strauch-Goualch-Woode und das Joo Kraus Oktett.
Das Austauschprogramm mit dem Club "Bird's Eye" brachte als Teil des Programms von jazz-transfer 2004 zwei saarländische Formationen nach Basel: das Schmidt/Brandt Quintett mit Thomas Girard und Oleg Berlin an den Saxophonen und - wiederum - das undertone project, das somit im November zu einem Botschafter innovativer saarländischer Musik avancierte.
jazz-transfer 2004: Presse
Spitzen-Jazz in SaarbrückenDer gelungene Verlauf des 1. Saarbrücker Jazz-Festes spiegelt sich in den Presseberichten, die wir im folgenden auszugsweise wiedergeben. Erfolgreiches Musik-Festival: Spitzen-Jazz in Saarbrücken war das Fazit der Saarbrücker Zeitung am 30.11.04 auf der Titelseite.
Mit dem ersten Saarbrücker Jazz-Fest unter dem Titel "Jazz-Transfer" setzt das Syndikat nun einen neuerlichen Jazz-Akzent, der alleine schon vom Umfang her beeindruckt. Als Schwerpunkt nennt Krieger den "zeitgenössischen Jazz in Europa" in zahlreichen Facetten von Mainstream bis Avantgarde. "Jazz-Transfer" meine aber nicht zuletzt auch: "Musiker der Region treffen auf ihre Vorbilder, Doppelkonzerte bringen junge Nachwuchsmusiker mit Jazz-Meistern zusammen". Vielversprechend liest sich das grenzüberschreitende Austauschprogramm mit dem parallel laufenden Straßburger Festival "Jazz d'Or" und dem Jazzclub Bird's Eye in Basel. Es ermöglicht Saar-Jazzern attraktive Auftritte in der Fremde und bringt klangvolle Namen hierher.
Unbändige Lust am Improvisieren und Zitieren, am Spiel mit Stilen und Ideen lässt drei Wochen lang die Herzen der Jazz-Freunde höher schlagen. Ein Festival, wie es Saarbrücken und Umgebung noch nie erlebten, lädt zum Genießen ein. ... Zusammen mit dem künstlerischen Leiter Wolfgang Krause hat die erste Vorsitzende des höchst aktiven Fördervereins, Marlene Krieger, diese heftigste Blue-Note-Konzentration, die unsere Region bislang erlebt hat, in nur einem halben Jahr Vorbereitungszeit aus dem Boden gestampft. Eine Leistung, die auch Saarbrückens Bürgermeister Kajo Breuer bei der Festival-Eröffnung im vollbesetzten Rathausfestsaal würdigte. ... Zunächst vorwiegend leise, lyrische Stimmungen beim hervorragend eingespielten französischen Trio Couturier-Larché-Matinier, das sich auf dem spannenden Grat zwischen innovativem Jazz und moderner E-Musik bewegte. Faszinierend irisierende Klangwelten mit vielen meditativen Momenten. ... Überbordende New-Jazz-Laune dann nach der Pause beim saarländischen Undertone Project. Der Vierer ... riss von der ersten Minute an mit einer geballten Ladung Übermut, Power und Spielfreude mit. Emphatische Bläser-Eruptionen, verblüffende elektronische Verfremdungen und Mandolinen-Tupfer, packende Rhythmus-Wechsel und stimulierender Trommeldonner verschmolzen hier zu einer Kopf und Bauch in gleichem Maße begeisternden Melange, die das Auditorium zu Beifallsstürmen hinriss.
Große Jazzer-Namen findet man in Italien wenige. Enrico Pieranunzi ist da eine Ausnahme. ... Entsprechend groß durften die Erwartungen an die ‚Notte Italiana' sein. Und sie wurden nicht enttäuscht: Metertief arbeitete sich der 54-jährige Pianist in seine Themen hinein, wendete das Material hin und her, ließ Reibungsflächen entstehen, um schließlich in rasant-perlenden Tonkaskaden die Entladung zu suchen. Oft waren es einfache, ostinate Figuren in der Linken, auf denen die harmonisch komplexen und in den Balladen melodisch-feinfühligen Kompositionen basierten. ... Selten wurde in der Bel Étage bei einem Jazzkonzert so andächtig gelauscht und anschließend so frenetisch applaudiert wie an diesem Abend. Und dies auch schon nach dem ersten Teil des Abends, den das venezianische Palo Alto Quartett bestritt. In einem ebenso energiegeladenen wie anspruchsvollen Set hatten Nicola Fazzini, Dario Volpi, Danilo Gallo, und Zeno de Rossi in ihre ganz eigene Jazz-Welt entführt und dabei die Kunst des gleichberechtigten Zusammenspiels geradezu zelebriert.
Musik, gespeist aus schier unerschöpflicher Fantasie, erfüllt mit fünffacher Könner-Kraft, ließ die Bel Étage der Spielbank förmlich bersten. Gebhard Ullmann und seine Mitmusiker holten das Maximum aus den Instrumenten. Experimenteller, zeitgenössischer Jazz gehört auf jedes Jazz-Festival, das etwas auf sich hält. ... eilt Gebhard Ullmann ein blendender Ruf voraus, so dass eigens ein Team der Südwestrundfunkwelle SWR 2 anreiste, um als Kooperationspartner das Konzert aufzuzeichnen. Der Mitschnitt hat sich gelohnt, denn Ullmann und seine New Yorker Mitstreiter hielten voll, was die Namen versprachen. Jeder der fünf Musiker ist ein Spitzenkönner - und so wurde man hier mit außergewöhnlichen Soloeinlagen verwöhnt. ... Wichtiger als die Einzelleistungen war in der Bel Étage jedoch die Teamarbeit: Punktgenau wurden da aberwitzige gemeinschaftliche Aktionen gestanden, schräge Klangflächen ausgelegt, immer wieder abrupt Rhythmus und Tempo gewechselt ... Begeisterter Applaus.
Auch ganz ohne Verstärkeranlage fand jeder Ton von Lackerschmids wie gemeißelt klaren Vibrafon-Exkursionen zum Hörerohr, Holsteins anrührender Bläsergesang erwies sich als willkommener Balsam fürs Gemüt, und Stabenows Kontrabass-Linien setzten, einer kompletten Rhythmusgruppe gleich, manchen Zuhörer-Fuß in groovende Bewegung. Wenig überraschend, dass alte Blue-Note-Hasen es drauf haben. Eine kleine Sensation aber, wenn ein blutjunges Team wie das internationale Quartett des Luxemburger Vibrafon-Newcomers Pascal Schumacher bereits jazzt wie etablierte Könner.
Hampel hat nichts von seinem Charme verloren. Johannes Schleiermacher empfahl sich als ekstatischer, virtuoser Partner am Saxophon, der aus dem Saarland stammende Schlagwerker Bernd Oeszevim verbreitete Groovelaune. Zur Abrundung dann Chill-out-Sound auf gehobenem Niveau. Jo Bartmes und Schlagzeuger Nesweda erzeugten ihre ‚Cosmic Grooves' mit ihrer Hände (und Füße) harter Arbeit.
Warum er so oft für einen Engländer gehalten wird? Vielleicht, weil der melancholische Trompeten-Ton, der den Raum erfüllt, wenn er spielt, so gut zum neblig-romantischen Großbritannien-Klischee passt. Kenny Wheeler ist jedoch Kanadier, auch wenn er bereits über ein halbes Jahrhundert in England lebt. ... Ende der 60er Jahre taucht Wheeler in die Free Jazz Szene ein, findet Gefallen an expressiveren Spielarten. ... In den verschiedensten Formationen tourt er rund um den Globus, immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Heute, mit 74, findet der nimmermüde Trompeter zu den Jazz-Standards zurück. ... Er habe wohl auch in der Besenkammer noch einen Sound wie in einer Kathedrale, schrieb ein begeisterter Konzertbesucher einmal über Kenny Wheeler.
"Jazz-Transfer" kann selbstbewusst in den Endspurt gehen - denn bis jetzt hat das erste Saarbrücker Jazzfest alle hochgesteckten Erwartungen erfüllt. Ein sehr schöner Erfolg für das veranstaltende Jazz-Syndikat Saarbrücken, das nun einen weiteren Leckerbissen der europäischen Spitzenklasse servierte: Das Moutin Réunion Quartett erspielte in der ansehnlich besuchten Bel Étage der Spielbank eine Blue-Note-Sternstunde. Normalerweise haben Bass und Schlagzeug nur eine Begleitfunktion. Doch die beiden Zwillingsbrüder François und Louis Moutin bilden eine dermaßen mitreißende und traumhaft harmonierende Einheit, dass sie eine Combo nicht nur leiten und nach vorne peitschen, sondern sie zu sagenhaften (Team-)Leistungen treiben.
... das Dick de Graaf Soundroots Quintett ... Der holländisch-schweizerisch-italienische Fünfer wagt eine Fusion aus Jazz und Klassik: Unter dem Titel "Schubert Impressions for Jazz Quintett" wurden im proppenvollen Kulturbistro Malzeit immerjunge Melodien Franz Schuberts verjazzt. Eine sehr gelungene Verschmelzung, der die Schubert-Themen mit zahlreichen Momenten der Melancholie und Süße das lyrische Gepräge schenkten. ... Das Schöne beim Graaf-Ensemble: Einerseits durfte Schuberts Linienfluss seinen Charme entfalten, dennoch kamen Humor und Augenzwinkern keineswegs zu kurz, wurde oft genug "respektlos" losgejazzt.
Da stand nun der kleine Mann, die Spielpraxis von über einem halben Jahrhundert auf dem Buckel, den Kopf stets konzentriert zu Boden gesenkt und seiner Solo-Einsätze harrend. Es dauerte eine Zeit, bis der gebürtige Kanadier warm wurde. Waren Wheelers Einsätze am Anfang erstaunlich unsicher, gewann sein Spiel mit der Zeit an Kontur. ... offenbarte Wheeler Vorlieben für die lang gezogenen Töne. Immer wieder schraubte er auch an diesem Konzertabend seine Phrasierungen in fistelnde Höhen hinauf. Den Kontrast zum introvertierten Spiel des Flügelhornisten bildete der Düsseldorfer Gitarrist mit seinen beiden Sidemen. Van Endert sprühte nur so vor Energie. Mit atemberaubenden Soli-Läufen zeigte er souveräne Instrumentenbeherrschung. ... Man kann darüber streiten, ob der historische Rathausfestsaal das passende Ambiente für ein Jazz-Konzert bietet. Die Akustik jedenfalls ließ nichts zu wünschen übrig. "Blue in Green" zwischen aufgemalten Ritterrüstungen und schwerem Eichenholz - was für ein Kontrast!
In den 50ern wird er für über sieben Jahre Bassist der legendären Duke-Ellington-Band. Seit Anfang der 70er Jahre lebt Woode wechselnd in München, Wien, den Niederlanden und immer wieder in seiner Heimat, den Vereinigten Staaten. Er hat als Leader und Sideman Hunderte von Platten aufgenommen und hat unzähligen Weltstars mit seinem pointierten Spiel "gedient". Jimmy Woode ist eine stille Größe des Jazz.
In drei Wochen 16 Konzerte mit 22 Bands: Mit diesem großen Programm startete das Saarbrücker Jazzfest seinen ersten Jazz-Transfer. Das vom Jazz-Syndikat veranstaltete Musik-Fest wurde zu einem schönen Erfolg. ... die Jazzfans sind durchaus solvent, wenn das Angebot stimmt. Und das reichte beim Jazz-Transfer quer durch die Stile und Richtungen von traditionellen bis zu experimentellen, modernen Tönen. Internationale Stars (sie erfüllten erfreulicherweise die Erwartungen) kamen ebenso zum Zug wie saarländische und ehemals saarländische Cracks. Eine Mischung, die genauso ankam wie die - sieben - verschiedenen Spielorte. Hervorragend besucht war jetzt das große Finale in der Garage. Einen super Auftritt legten gleich Oliver Strauch, Pierre Alain Goualch und Jimmy Woode hin. ... Das von verschiedensten Projekten her prominente Trompeten-As Joo Kraus rundete den Abend mit seiner "Basic Jazz Lounge" ab. Jeder Musiker des Oktetts war an seinem Instrument ein Könner. Das tolle Programm ... hatte manch jüngeren Besucher in die Garage gelockt.
