jazz-transfer 2005: das Festival-Tagebuch

"Jazz-Glanzlichter in Saarbrücken"

So überschrieb der Wochenspiegel Saarbrücken seine Vorankündigung für unser diesjähriges Festival. Die dezentrale Ausrichtung von jazz-transfer ist geblieben, ebenso die stilistische Vielfalt. Von der komponierten Musik bis zur freien Improvisation: an wiederum sieben verschiedenen Spielorten findet unser Programm innerhalb von drei Wochen statt. Nach wie vor stehen dabei Jazzer mit einer eigenen musikalischen Sprache im Mittelpunkt. Mit dem Verlauf des Festivals können wir äußerst zufrieden sein: der Ablauf der Konzerte sowie der Publikumszuspruch sind bisher hervorragend.

  • Freiheit und Jazz

  • Die Oktober-Ausgabe des Saarbrücker Kulturkalenders kakadu veröffentlicht einen Artikel von Wolfgang Krause. "Verträumte Melodien, explosive Dynamik: Die großartige Vielseitigkeit des Jazz-Saxophons" geht dem Phänomen nach, warum sich dieses Instrument mit dem äußerst variablen Klang und dem großen dynamischen Umfang anscheinend besonders gut eignet, um freiheitliche musikalische Vorstellungen umzusetzen.

  • jazzdimensions

  • Das Jazz Online Magazin in Berlin bringt einen Vorbericht über unser Festival. Diese Seiten empfehlen wir jedem Jazz-Freund: www.jazzdimensions.de.

  • Union-Stiftung, Europe Direct und Bureau Export

  • Die Landeshauptstadt, das Kultusministerium, Saartoto und Spielbank zählen neben anderen zu unseren Sponsoren. Durch eine freundliche konzertierte Aktion, an der sich das Bureau Export de la Musique Française in Berlin, das Europäische Informationszentrum der Landeshauptstadt (Europe Direct) und die Union-Stiftung in Saarbrücken beteiligen, ist es uns kurz vor Drucklegung des Programmheftes möglich, das Orchestre National de Jazz aus Frankreich für unser Abschlusskonzert zu engagieren.

  • 02.11.05: Das liebste Kind des Jazz

  • So überschreibt die Saarbrücker Zeitung unter KULTUR REGIONAL ihre halbseitige Vorankündigung für das zweite Festival jazz-transfer. Die auftretenden Saxophonisten werden dabei fotografisch schön in Szene gesetzt.

  • 03.11.05: Herzblut, Lachen und Weinen

  • Überschrift für zwei Rezensionen, die im TREFF REGIONAL der Saarbrücker Zeitung abgedruckt sind. Soulgrass von Bill Evans wird kritisch beleuchtet ("an der Basis des mit Synthesizer-Zucker und Vocalisen-Sirup gesüßten Party-Jazz geht es ruppig und nervös zu"), während Experience mit dem World Saxophone Quartet die volle Anerkennung des Kritikers findet: "begeistern David Murray, ‚Bluiett', Oliver Lake und Bruce Williams wieder mit Bläser-Noblesse, explosiver Power, Herzblut, bluesiger Wärme und (titelgemäßer) schräger Experimentierlust."

  • 05.11.05: Saarbrücken durch Jazz aufpolieren

  • Unter diesem Titel erscheint auf der Kulturseite der Saarbrücker Zeitung ein Interview, das Johannes Kloth mit dem Festivalleiter Wolfgang Krause führte und das unter anderem die schwierige Beschaffung der notwendigen Finanzen für das Festival anspricht.

  • 06.11.05: Sinti-Jazz zur Eröffnung

  • Bei der Eröffnung des Festivals durch Oberbürgermeisterin Charlotte Britz und der Vorsitzenden des Jazz-Syndikats Marlene Krieger gab's in einem voll besetzten Rathausfestsaal aufmunternde Grußworte der Saarbrücker Oberbürgermeisterin und ein sowohl vom Publikum als auch dem Kritiker der Saarbrücker Zeitung mit Begeisterung aufgenommenes Konzert von Titi Winterstein und Ensemble.

  • 07.11.05: freier Montag

  • Montags haben die Festivalkonzerte Pause, denn wir empfehlen hier die regelmäßig stattfindenden Monday Jazz Nights mit Heiner Franz im Kulturbistro Malzeit in der Scheidter Strasse.

  • 08.11.05: Der saarländische Jazz-Nachwuchs

  • Das erste gemeinsame Konzert der Landesschüler-Bigband Jazz Train und des Jugendjazzorchesters des Saarlandes wurde von den Leitern Ernst Urmetzer, Matthias Ernst und Georg Ruby routiniert in der gut besuchten Bel Étage über die Bühne gebracht. Ruby machte nochmals deutlich, dass er die Leistungsdichte des saarländischen Jazz-Nachwuchses für außergewöhnlich hoch hält.

  • 09.11.05: Luxemburger Tageblatt

  • Das Luxemburger Tageblatt informiert die Leser im Großherzogtum in einer Vorankündigung unter dem Titel "Bill Evans & Co an der Saar" über jazz-transfer.

  • 09.11.05: Nicole trifft Bill

  • Da die Soulgrass-Band schon am Dienstagabend aus Spanien angereist war, hatten wir für den Nachmittag ein Zusammentreffen im Musikhaus Arthur Knopp mit Nicole Johänntgen und Bill Evans arrangiert. Vinny Valentino, Joel Rosenblatt und Ric Fierabracci fanden die Idee wohl ziemlich lustig und kamen gleich mit. Zur Überraschung aller probierten dann Nicole und Bill gemeinsam einige vorhandene Saxophone aus und standen dem SR-Fernsehteam Rede und Antwort.

  • 09.11.05: Groove Music

  • Gemütlich war's beim ersten Jazz after Work, den Konzerten mit freiem Eintritt ab 18.00 Uhr, im Bistro in der Congresshalle. Acoustic & electronic groove music mit dem Thomas Siffling Trio, danach gab's noch in kleinem Kreise eine engagierte Diskussion, was denn eigentlich so den deutschen Jazz ausmacht und wie man vielleicht am besten Sponsoren ansprechen könnte.

  • 10.11.05: "jazz-transfer" im Aktuellen Bericht des SR

  • Der von Stefanie Prochnow gedrehte Beitrag über Nicole Jo und Bill Evans wurde eine halbe Stunde vor Konzertbeginn im Aktuellen Bericht des Saarländischen Rundfunks gesendet.

  • 10.11.05: Premiere in der Congresshalle

  • Das erste Konzert des Jazz-Syndikats im Saal Ost der Congresshalle. Der - in den letzten Jahren kulturell leider etwas verwaiste Saal mit dem charmanten Ambiente der frühen 70er Jahre - wird bestens angenommen und ist bis auf den letzten (Steh-)Platz gefüllt. Konsens unter den Zuhörern, dass es hier doch öfter gute Konzerte geben sollte. Nicole Jo needs 2B funky holt sich jede Menge verdienten Applaus, Bill Evans und die Soulgrass-Band werden gefeiert. Zu einer der Zugaben wird dann Nicole von Bill Evans auf die Bühne gebeten und beide setzen ihr musikalisches Treffen vom Vortag unter begeisterter Anteilnahme des Saarbrücker Publikums fort.

  • 12.11.05: Die Kritiker

  • Unter dem unserer Meinung nach deplazierten Titel "Die Rampensau und die Frau aus Quierschied" findet sich eine durchaus wohlwollende Kritik von Johannes Kloth in der Saarbrücker Zeitung. Kostprobe: "Evans ist eine geniale Rampensau, ständig unterwegs und in neue Projekte involviert, bekannt seit seiner Zeit mit Miles Davis. Als wär's ein Kinderspiel, entlockte er Tenor- und Sopransaxophon die wildesten Läufe, trat in verspielte Konversationen mit Christian Howes und Vinny Valentino." Die Kritikerin Wiebke Trapp findet in der Rheinpfalz lobende Worte für Nicole Jo needs 2B funky: "Saxophon-Soul und -Funk-Jazz wie er sein soll: Groovig, treibend, gerne auch mal melodisch und ausgereifter denn je." Zu Bill Evans hat sie einige kritische Anmerkungen, "dennoch war das Konzert ein Genuss auf musikalisch hohem Niveau, auch wenn man es sich manchmal souliger und funkiger, einfach ein bisschen leichter, gewünscht hätte."
  • 12.11.05: "Nur nicht aus Liebe weinen…"

  • DAS war definitiv kein Abend für die Jazz-Puristen. Das sechsköpfige Absinto Orkestra gab bis um 23.15 Uhr wirklich alles (ein wahrhaft internationales Programm), und das Publikum im komplett gefüllten Kulturbistro Malzeit jubelte.

  • 15.11.05: Love Songs

  • Stefan Uhrmacher schreibt in der SZ-Kritik: "Mit dem in Philadelphia geborenen Marc Copland stellte sich am Sonntag im vollbesetzten Saarbrücker Rathausfestsaal ein Poet und Lyriker von Format auf den schwarz-weißen Tasten vor. Copland entlockte dem leider nicht optimal gestimmten Rathaus-Flügel impressionistisches Flimmern. Der Spezialist der leisen Tupfer und des sanften Perlens entwickelt seine mit erstaunlich weiten Spannungsbögen auftrumpfenden Fantasien gerne aus einfachen gesanglichen Tonfolgen und Motiven heraus, webt einschlägige Klassiker ein. Dass die Musik hier ständig am Irisieren war, war auch den aufmerksamen Partnern zu danken: Vorneweg dem abwechslungsreich und sensibel begleitenden Schlagzeuger Jochen Rueckert. Der kurzfristig eingesprungene Kontrabassist Henning Sieverts wuchs zusehends in seine Rolle hinein und suchte bei seinen rhythmisch anspruchsvollen Soli gerne die intonatorisch hörbar riskanten hohen Griffbrett-Regionen auf. Verdienter Riesenapplaus."

  • 17.11.05: Die "Mitreißende Power" der zwei Piano Trios

  • Die SZ-Kritik: "Ein deutsch-amerikanischer Klavierabend stand am Dienstag auf dem dicht gedrängten Fahrplan des Festivals Jazz Transfer in der vollbesetzten Bel Étage. Mit dem Christoph Mudrich Trio eröffnete einer der beständigsten Saarjazzer den Abend. Mudrich bleibt auch mit seinem frisch komponierten Programm den klassischen akustischen Blue-notes treu und zeigte sich hier einmal mehr von seiner Schokoladenseite: Gehaltvolle Themen, klangvolle Harmonien und zupackende Riffs bei einer stilistischen Bandbreite von beboppigen Swing-Mustern über konzentrierte träumerische Balladen bis hin zu elastisch tänzelndem Funky-Touch. Da durfte der Saarbrücker ausgiebig seine Könnerschaft im sehr bewußten und geschmackvollen Einsatz seiner Tastenkunst beweisen, konnte Schlagzeuger Dirik Schilgen minutiös maßgeschneiderte Begleitungen beisteuern und Kontrabassist Rudi Engel Sonderapplaus für mustergültig zupackende Soli einheimsen. Bei modernen Bearbeitungen von Jazz-Klassikern bis hin zu Material von Prince und Hendrix pflegt Benny Lackner eine markant schroffe, motorische Klavierhandschrift mit viel Stakkato, baut Orgelsounds und - freilich dezent und geschmackvoll - allerlei elektronischen Synthesizer- und Computer-Schnickschnack ein. Dass seine zwischen unterkühlten lyrischen Momenten und elektrifizierenden Grooves pendelnde Musik durchweg begeisterte, war auch den kongenialen Partnern zu danken: dem wieselflink zupfenden Kontrabassisten Derek Nievergelt und Drummer Tony Austin, der bei energetischen Alleingängen die Funken stieben ließ und mit mitreißender Power seine Virtuosität voll ausspielte. Begeisterung."

  • 17.11.05: WSQ

  • Das World Saxophone Quartet spielt vor 300 Zuhörern in der Bel Étage. Eines der allerbesten Konzerte des Jazz-Syndikats. Jamaaladeen Tacuma nimmt als Souvenir aus Saarbrücken einen neuen Bass mit, den wir um kurz nach 19.00 Uhr mit freundlicher Unterstützung durch "Music Point 24" für ihn besorgt hatten, denn sein eigener wollte an diesem Abend nicht.

  • 18.11.05: Mit dem Festival Jazz Transfer auf Tour durch Saarbrücken

  • Die SZ schreibt: "Wer den Terminen von Jazz Transfer folgt, kommt viel in unserer Stadt herum. Am Mittwoch stand zur After-Work-Stunde das Bistro in der Congresshalle auf dem Plan. Wohliger Bar- und Lounge-Jazz schaukelte durch's Bistro, wobei Combo-Chef Schorp, unterstützt vom Schlagzeuger Jean-Pascal Molina, mit fettem Kontrabasston die sanft pulsierenden Schwingungen vorgab. Unverzichtbar war der mollige Sound vom Fender-Rhodes-Piano der Kölnerin Laia Genc. Schön, dass der junge Fünfer aus Frankreich sich nach dezentem Einstieg häufiger von der Hintergrund-Berieselung entfernte: Bei ohrenfälligen Aufwallungen riss der Rhythmus-Teppich auf, bliesen die Saxophonisten Michael Cuvillon und Christophe Panzini in schrägem Forte ihre Kannen heiß. Da wuchsen Beifallswogen."

  • 19.11.05: Wenn Jazzer Jimi Hendrix eingemeinden

  • Die SZ schreibt über das WSQ: "Mal tönte es soulig und bluesig, wie ein Gebet, mal schräg und verquer bis hin zu wilden freien Ausbrüchen - da floss literweise musikalisches Herzblut. Besonders abgefahren: Eine lange Version von "The wind cries Mary", bei der Posaunist Craig Harris, kongenialer fünfter Bläser im Bunde, sich auch als experimenteller Rezitator versuchte. Ovationen. Zugabe."

  • 19. & 20.11.05: Das Festival platzt aus den Nähten

  • Mehr Zuhörer geht nicht mehr: Der Andrang für das Josh Roseman Execution Quintet am Samstag Abend im Kulturbistro Malzeit und die am nächsten Mittag folgende Matinée im Restaurant Woll in Spichern geht an die Kapazitätsgrenzen beider Spielorte. Zwei Formen des Jazz, die für manche gegensätzlich sein mögen, doch sowohl der "Jazz-Acid-Funk" aus New York als auch der gepflegte und sehr engagiert vorgetragene Standard-Jazz des Odeon Jazz Quartetts begeistern.

  • 21.11.05: Schweizer jazzen in Saarbrücken

  • Erb-gut überzeugten mit einem eigenen Sound, meint Stefan Uhrmacher in der SZ. "Markenzeichen der Musik von erb-gut ist eine sympathische alpine Gelassenheit. Charakteristisch sind etwa viele Takte überspannende, gemeinsame Melodieschlangen von Christoph Erb (Saxophon, Bassklarinette, Kompositionen) und Peter Schärli (Trompete). Mit coolen langen Noten vermitteln sie ein Gefühl des Gefestigten und Dauerhaften. I-Tüpfelchen des ebenso entspannten wie spannenden Konzertes waren die intensiven Trompetenfantasien Schärlis."

  • 22.11.05: Atemberaubender Trompeten-Sound

  • Stefan Uhrmacher in der SZ: "Warten hieß es im bis auf den Bühnenrand bevölkerten Kulturbistro Malzeit. Josh Roseman und sein Execution Quintet mussten erst vom Stuttgarter Flughafen abgeholt werden… Schade, dass der angekündigte hervorragende Bassist Mark Helias nicht dabei war. Ihn ersetzte Peter Apfelbaum mit putzig blubbernden Bässen auf dem Keyboard. Aber mit der Zeit konnte man vor allem Apfelbaums nostalgisch anmutende Geisterbahn-Orgelsounds richtig lieb gewinnen. Zumal die explosive Funky-Mixtur der Band, von Drummer Justin Browns stetigen Querschlägern aufgeheizt, sich dem Siedepunkt näherte. Da hieß es Sich-Anschnallen, wurden namentlich Bläser-Fans königlich bedient - vom bulligen gemeinsamen Satz ebenso wie den Alleingängen: Josh Roseman mit seiner cool und elastisch tänzelnden Posaune wurde dem ihm vorauseilenden Ruf des Weltklasse-Newcomers gerecht. Myron Walden ließ das überblasene Saxophon Funken stieben. Schlichtweg die Luft weg blieb einem angesichts der gleißenden Trompetenstrahlen von Alex Sipiagin."

  • 22.11.05: RTL-Radio

  • Wir begrüßen einen neuen Medienpartner: RTL-Radio in Luxemburg weist auf unsere Konzerte hin.

  • 23.11.05: das Bistro in der Congresshalle

  • Das Lutz Wichert Trio mit Bernd Oeszevim am Schlagzeug und Alexander Morsey am Kontrabass spielte zwei feine Sets mit zwei feinen Zugaben. Die Zuschauer sitzen in dieser für uns neuen "Location" teilweise hinter den Musikern, was allerdings niemanden stört. Nach dem nunmehr dritten Konzert im Congresshallen-Bistro wissen wir, dass sich dieser Spielort sehr gut für akustischen Jazz eignet.

  • 24.11.05: ONJ

  • Die Vorbereitungen für unser Finale sind weitgehend erledigt. Wie erwartet, war eine Menge Arbeit zu leisten, da die Bedingungen für Jazz in Frankreich und Deutschland doch sehr unterschiedlich sind. Die Organisation eines Konzertes mit einer vielköpfigen französischen Jazz-Formation ist im besten Wortsinne eine "transfer"-Leistung. Der Vorverkauf für das ONJ läuft gut, so dass wir auch für unser Abschlusskonzert mit einem vollen Haus rechnen.

  • Unser Publikum

  • Vielleicht der schönste Erfolg für unser Festival: wir sprechen sehr viele unterschiedliche Zuhörer an. Viele ältere fühlen sich durch unser Angebot angesprochen, aber auch jede Menge junge Leute kommen zu unseren Veranstaltungen.

  • 25.11.05 Soul Jazz

  • Draußen friert's, doch drinnen heizen Martin Lejeune, Jo Bartmes, Peter Back und Holger Nesweda mit ihrem Soul Jazz der 60er und 70er Jahre - den man leider viel zu selten hört - dem cool mitgroovenden vielköpfigen Publikum mächtig ein.

  • 26.11.05 SR 2

  • SR 2 sendet in der Morgenmusik ein Interview mit Wolfgang Krause über Sinn, Ziel, Zweck, Hintergrund und Ablauf des Festivals.

  • 26.11.05 Kontrastprogramm

  • Stefan Uhrmacher schreibt in der SZ, dass das Saxophon Special vom Donnerstag kaum hätte kontrastreicher ausfallen können. "Mit einschmeichelndem Ton umgarnte der junge Luxemburger Saxophonist Maxime Bender zunächst die Ohren - auch seine meist aus eigener Feder stammenden Themen kamen oft sehr gefällig daher. Experimentell und schräg wurde es danach bei Erdmann 3000, die die hohen Erwartungen erfüllten. In Maßen anarchischer Humor durchzog die Musik - wuselige Rhythmen trafen auf markant federnde; expressives Gewinsel freien Improvisierens auf komplexes, pikant versetztes Miteinander. Perfekt, wie jeder seine dezidierte Note pflegte und sich dennoch konstruktiv in den dichten, organischen Gruppensound einbrachte. Ein Leckerbissen."

  • 26.11.05 Mühsam nährt sich das Jazzhörnchen

  • Christoph Schreiner berichtet unter dieser Überschrift auf den Kulturseiten der SZ über die ‚Erfolgsstory jazz-transfer - langer Atem': "Es geht also doch. Dass man in schwindsüchtigen Zeiten wie diesen ein Festival aus der Taufe hebt, das - bis dato nur läppisch finanziert von der öffentlichen Hand - nicht nur vom Idealismus seiner Gründer lebt, sondern auch von der spendablen Unterstützung durch jazzsinnige Kreise in der Region und darüber hinaus. Der an diesem Sonntag zu Ende gehende zweite Saarbrücker jazz-transfer, der sich im Nu als hochklassiges Festival etabliert hat, zeigt, dass Professionalität und Hartnäckigkeit lohnen. Wenn man weiß, dass die Festival-Initiatoren während zehn Monaten planten und einwarben und baggerten, wird klar, wie jazz-transfer entstand. ‚Immer wenn wir ein bisschen Geld bekamen, ham' wir wieder eine Gruppe gebucht', umreißt Krause die Stop-and-go-Programmgestaltung. Von der Landeshauptstadt, die dem Verein jährlich 10500 Euro angedeihen lässt (und für's Festival damit bestenfalls 5000 Euro beisteuert), den Machern stets gern auf die Schulter klopft und ansonsten ihre Dauerrolle ‚Armer Schlucker' spielt, erwartet Krause ein Zeichen. Also eine dauerhafte und erklecklichere Mitfinanzierung."

  • 27.11.05 Das Orchestre National de Jazz

  • Für unser Finale auf dem Halberg beim Saarländischen Rundfunk, für dessen Unterstützung wir uns bedanken, konnten wir eine in Europa einmalige Formation begrüßen. Viel ließe sich hier dazu sagen, wie sich die Kulturangebote in Frankreich und Deutschland unterscheiden, wie Zentralstaat und Föderalismus unterschiedliche Entstehungsbedingungen für künstlerische Arbeit schaffen und welchen Stellenwert kulturelle Angebote, und somit auch der Jazz, in beiden Ländern haben. Es steht auf jeden Fall fest, dass der französische Jazz in Europa eine Ausnahmestellung einnimmt. Dynamik, Poesie, komplexe Strukturen, kreative Energie, hervorragende Solisten, spieltechnische Perfektion: das französische Jazz-Nationalorchester bedeutet europäischen Jazz auf höchstem Niveau. Die Premiere von "Close to Heaven" wurde begeistert aufgenommen.

  • Die Zahlen

  • 2.500 Zuschauer kamen zu "jazz-transfer 2005". 90.000 Euro betrug der Festivaletat inklusive aller erbrachten Leistungen, davon 30.000 Euro geldwerte Leistungen, die weitgehend durch den Verein erbracht wurden. Hinzu kommt die ehrenamtlich geleistete Arbeit des Festival-Teams. Wir bedanken uns bei den vielen Förderern und Sponsoren, ohne die unser Festival nicht hätte stattfinden können. Das Engagement der Oberbürgermeisterin Charlotte Britz hat uns die Vorbereitung des Festivals ermöglicht. Ein herzlicher Gruß geht auch an Bürgermeister Kajo Breuer, der im letzten Jahr gleichermaßen mithalf, dass wir "jazz-transfer" überhaupt erst realisieren konnten.

  • Der Ausblick

  • Wie's in Zukunft weitergeht, können wir noch nicht abschätzen. Eigentlich bieten wir ja der Landeshauptstadt (und auch dem Land) ein sehr attraktives Modell für erfolgreiche Kulturarbeit an: mit Hilfe eines Sockelbetrages und durch ein ausgewiesenermaßen gutes, vielseitiges Programm werben wir Förderer und Sponsoren, deren Gelder dann wiederum direkt in die Aktivitäten des Vereins fließen.
    Beim Saarbrücker Kulturdezernenten haben wir einen Antrag auf Umstellung unserer Förderbedingungen eingereicht. Zurzeit müssen wir jährlich immer wieder neu einen Antrag auf (teilweisen) Ausgleich eines erwarteten Defizits stellen. Dies ist das falsche Instrument zur Unterstützung unserer Aktivitäten, denn so haben wir keine Planungssicherheit. Unabhängig von der Höhe eines städtischen Zuschusses halten wir eine projektbezogene Festbetragsfinanzierung sowie eine auf mehrere Jahre angelegte vertragliche Vereinbarung für wesentlich effektiver. Außerdem finden wir es wirklich an der Zeit, dass das Saarbrücker Kulturamt - das uns letztes Jahr mit merkwürdiger Argumentation den städtischen Zuschuss kürzen wollte - unsere Arbeit als Förderschwerpunkt anerkennt.
    Unser Programmvorschlag als Beitrag zu "Luxemburg - Kulturhauptstadt 2007" wurde offiziell angenommen, worüber wir uns selbstredend sehr freuen. Ob auch der eingereichte (und für die Realisierung notwendige) Finanzierungsplan genehmigt wurde, wissen wir noch nicht. Auf jeden Fall hoffen wir, dass Jazz als Ausdruck von Freiheit und Weltoffenheit den ihm gebührenden Platz in der Großregion einnehmen kann - und somit Luxemburg, Frankreich und Deutschland etwas enger zusammenrücken, indem sie kulturelle Vielfalt und die Beiträge so genannter Minderheiten als unverzichtbaren Bestand des geistigen Lebens definieren.