jazz-transfer 2006: der Rückblick

Auf den Verlauf des Festivals "jazz-transfer 2006" können wir mit Freude blicken. Die 20 Konzerte in den drei Wochen des Festivals waren prima besucht, alle (diesmal: 111!) Musiker gaben ihr Bestes, die dezentrale Struktur und das breit gefächerte Programm haben sich erneut bewährt, die professionelle Vorbereitung und Durchführung haben sich gelohnt. Noch etwas mehr als in den letzten beiden Jahren ist "jazz-transfer"zu einem Festival der Begegnungen geworden, was vielleicht auch daran liegt, dass das Programm noch vielseitiger geworden ist. Die Atmosphäre des Festivals war generell sehr freundlich - diverse Danksagungen von Jazz-Fans aus verschiedenen Lagern mit eingeschlossen.

Headliner des Festivals waren die erfahrenen Musiker, darunter Ralph Towner, Philp Catherine, Michel Godard, Carlo Rizzo, Gebhardt Ullmann und Hiram Bullock. Es war wiederum deutlich erkennbar, dass durch diese Konzerte das Club-Programm einen guten Zuspruch verzeichnen konnte. Von der Präsenz der internationalen Jazzer konnten die Musiker der Großregion somit mehrfach profitieren: durch gemeinsame Konzerte, durch Begegnungen mit ihren Vorbildern sowie durch das generelle Interesse des Publikums für alle Veranstaltungen.

Wir freuen uns, dass die neuen Spielorte vom Publikum angenommen wurden. Die renovierte Aula der Universität hat sich so wie in früheren Zeiten als 100 Prozent jazz-tauglich erwiesen - man kann hier genau so gut filigraner und komplexer Musik wie beim Konzert mit Oregon und Parallaxe lauschen als auch, so bei der Hiram Bullock Band geschehen, völlig relaxt abtanzen. Der Eschberger Hof, das Bistro Chateau im vhs-Zentrum am Schloss und auch das Roland's Eck in Burbach - alle Spielorte konnten gleichermaßen regen Zuspruch verzeichnen. Gewohnt freundlich wurden wir beim SR auf dem Halberg empfangen. Der Auftritt von Karl Berger & Philip Catherine in der Bel Étage in der Spielbank war der erwartete musikalische Ruhepol des Festivals. Die Konzerte im Kulturbistro Malzeit haben bestätigt, dass im Malzeit beste Jazz-Club Atmosphäre besteht - hier gab's viele neue Höhepunkte. Auch der gute Besuch während des Festival-Abschlusses in der Congresshalle hat uns darin bestärkt, dass Jazzkonzerte zum regelmäßigen Kulturangebot in der Congresshalle gehören sollten; das Jan Kamp Sextett, TubaTuba, Jos Rinck und die Tonkünstler und Dorado Schmitt boten dort an drei Tagen ein hervorragendes Programm - Dorado und sein Ensemble wurden beim Abschlusskonzert des Festivals mit standing ovations verabschiedet. Dorado wohnt wie manch andere hochbegabte Sinti-Musiker im grenznahen Frankreich. Dass er zwar regelmäßig im Birdland in New York spielt, nach langen Jahren jedoch zum ersten Male wieder in Saarbrücken zu hören war, war dem SR einen längeren Fernseh-Beitrag im "Kulturspiegel" wert.

Durch die Wahl der unterschiedlichen Spielorte möchten wir zeigen, dass das Potenzial in der Landeshauptstadt für Jazz beim Publikum recht groß ist: Jazz einmal nicht als Nischenprogramm für eine Minderheit, sondern als deutlich wahrnehmbarer dauerhafter Faktor im Kulturleben dieser Stadt. Saarbrücken als Jazz-Metropole der Region? Davon sind wir leider noch weit entfernt, denn dazu brauchen wir gut ausgestattete und funktionierende Spielstätten, eine kontinuierliche attraktive Programmgestaltung und ein vielseitiges Angebot für das Publikum. Obwohl das Jazz-Syndikat mittlerweile mit seinem Programm sowohl künstlerisch als auch organisatorisch eine feine Rolle in der Region einnimmt und das Publikum erreicht, ist Jazz in anderen Städten der Großregion eine wesentlich größere Selbstverständlichkeit. Der Jazz im Saarland leidet auch immer noch unter der Fraktionierung in unterschiedliche Interessengruppen - das nützt auf Dauer keinem Jazzer. Hier bieten wir ein Angebot für Ausgleich und Kooperation, denn wir sind als Verein nicht an eine bestimmte Musiker-Gruppierung gebunden. Ein vielseitiges Programm trägt eindeutig dazu bei, das Publikum vermehrt zu erreichen. Wir sehen es ja bei unseren Konzerten: so kommen auch neue Zuhörer wieder in die Clubs und Konzertsäle.

Die Konzerte in Gaststätten, Bistros und Restaurants zeigen, dass solche ausgesprochen kommunikativen Konzertbedingungen gut funktionieren - hier ergeben sich direkte und unmittelbare Kontakte, die Musiker werden geschätzt und respektiert. Das gleiche positive Feedback erreicht uns auch von den Bands. Raus aus der Nische, runter vom Elfenbeinturm und hinein ins pralle Leben: das erweitert sowohl den Horizont als auch die wirtschaftlichen Möglichkeiten. So gewinnen wir attraktive Kooperationspartner und Mitveranstalter, die einen großen Beitrag zur Finanzierung der Konzerte leisten. Das sichert die Existenz eines funktionierenden Konzertbetriebes und trägt dazu bei, dass Saarbrücken im Reigen der Städte dieser Region als jazz-freundlich und weltoffen erkennbar ist. Dies ist ohne Einbußen an Qualität und auch an experimentellen Ausdrucksformen erreichbar - das hat der Erfolg von "jazz-transfer" gezeigt.

Bleibt für die Zukunft der Wunsch, dass Jazz auf hohem Niveau vielleicht doch irgendwann zu einem Saarbrücker Markenzeichen wird.

Wolfgang Krause, Festivalleiter